TÜV, HU und Nachprüfung: So bestehen Auto, Motorrad und Lkw die Prüfung ohne Überraschungen
Die meisten Fahrzeughalter kennen das Gefühl: Der Termin für die Hauptuntersuchung rückt näher und plötzlich stellt sich die Frage, ob das Fahrzeug problemlos durchkommt. Umgangssprachlich sprechen viele vom „TÜV“, tatsächlich handelt es sich um die gesetzlich vorgeschriebene Hauptuntersuchung (HU), die von verschiedenen Prüforganisationen durchgeführt werden kann.
Doch worauf achten die Prüfer wirklich? Was bedeuten die Mängelklassen auf dem Prüfbericht? Wie läuft eine Nachprüfung ab? Und welche einfachen Maßnahmen helfen dabei, Auto, Motorrad oder Lkw optimal auf die Untersuchung vorzubereiten?
Dieser Ratgeber beantwortet die wichtigsten Fragen rund um die Hauptuntersuchung und zeigt, wie sich unnötige Kosten vermeiden lassen.
Was ist die Hauptuntersuchung überhaupt?
Die Hauptuntersuchung dient dazu, die Verkehrssicherheit eines Fahrzeugs zu überprüfen. Dabei kontrolliert ein Prüfingenieur, ob das Fahrzeug den gesetzlichen Vorschriften entspricht und sicher am Straßenverkehr teilnehmen kann.
Die Untersuchung betrifft:
- Pkw
- Motorräder
- Wohnmobile
- Anhänger
- Transporter
- Lkw
Eine bestandene HU wird durch die bekannte Prüfplakette am hinteren Kennzeichen dokumentiert.
Welche Prüforganisationen gibt es?
Viele Fahrzeughalter glauben, nur der TÜV dürfe die Untersuchung durchführen. Tatsächlich gibt es mehrere anerkannte Prüfstellen.
Dazu gehören:
- TÜV Süd
- TÜV Nord
- TÜV Rheinland
- TÜV Hessen
- DEKRA
- GTÜ
- KÜS
- FSP
Die Prüfanforderungen sind überall identisch, da sie gesetzlich vorgeschrieben sind.
Worauf wird bei der HU geachtet?
Die Untersuchung umfasst zahlreiche sicherheitsrelevante Bereiche.
Bremsanlage
Die Bremsen gehören zu den wichtigsten Prüfpunkten.
Kontrolliert werden unter anderem:
- Bremswirkung
- Gleichmäßige Bremskraft
- Handbremse
- Bremsschläuche
- Bremsleitungen
- Bremsscheiben
- Bremsbeläge
Bereits geringe Mängel können hier zu Beanstandungen führen.
Beleuchtung
Defekte Leuchtmittel gehören seit Jahren zu den häufigsten Gründen für Mängel.
Geprüft werden:
- Abblendlicht
- Fernlicht
- Tagfahrlicht
- Blinker
- Bremslicht
- Rückfahrlicht
- Nebelscheinwerfer
- Nebelschlussleuchte
- Kennzeichenbeleuchtung
Ein kurzer Lichttest vor dem Termin kann oft schon Probleme verhindern.
Reifen und Räder
Die Reifen sind der einzige direkte Kontakt zur Fahrbahn.
Der Prüfer achtet auf:
- Profiltiefe
- Beschädigungen
- Risse
- Sägezahnbildung
- Freigängigkeit
- Zulässige Reifengröße
Die gesetzliche Mindestprofiltiefe beträgt zwar 1,6 Millimeter, für eine sichere Teilnahme am Straßenverkehr wird jedoch deutlich mehr empfohlen.
Fahrwerk und Lenkung
Hier geht es um Stabilität und Fahrsicherheit.
Kontrolliert werden:
- Stoßdämpfer
- Federn
- Radlager
- Gelenke
- Spurstangen
- Achsaufhängungen
Verschlissene Bauteile führen häufig zu erheblichen Mängeln.
Karosserie und Unterboden
Besonders bei älteren Fahrzeugen spielt Korrosion eine wichtige Rolle.
Geprüft werden:
- Tragende Fahrzeugteile
- Rostschäden
- Befestigungen
- Unterboden
- Rahmen
Oberflächlicher Rost ist meist kein Problem, durchgerostete tragende Teile dagegen schon.
Umwelt und Abgase
Moderne Fahrzeuge verfügen über komplexe Abgasreinigungssysteme.
Kontrolliert werden:
- Abgaswerte
- Motormanagement
- Abgasanlage
- Partikelfilter
- Katalysator
Leuchtende Motorkontrolllampen führen häufig zu Beanstandungen.
Sicherheitsausstattung
Hierzu zählen unter anderem:
- Sicherheitsgurte
- Gurtschlösser
- Spiegel
- Hupe
- Scheibenwischer
- Frontscheibe
Bereits kleine Schäden im Sichtfeld der Windschutzscheibe können problematisch werden.
Was bedeuten OM, GM, EM, VM und VU?
Im Prüfbericht werden festgestellte Mängel eingestuft.
| Kürzel | Bedeutung |
|---|---|
| OM | Ohne Mängel |
| GM | Geringe Mängel |
| EM | Erhebliche Mängel |
| VM | Gefährliche Mängel |
| VU | Verkehrsunsicher |
OM – Ohne Mängel
Das Idealergebnis.
Das Fahrzeug erhält sofort die neue Prüfplakette.
GM – Geringe Mängel
Es wurden kleine Mängel festgestellt, beispielsweise:
- Leichte Korrosion
- Kleine Undichtigkeiten
- Geringfügige Verschleißerscheinungen
Die Plakette wird trotzdem erteilt.
EM – Erhebliche Mängel
Hier wird es ernst.
Typische Beispiele:
- Defekte Bremsen
- Fehlerhafte Beleuchtung
- Verschlissene Fahrwerksteile
- Starker Ölverlust
Eine Plakette wird nicht vergeben.
VM – Gefährliche Mängel
Das Fahrzeug weist sicherheitsrelevante Defekte auf.
Beispiele:
- Stark beschädigte Bremsanlage
- Kritische Fahrwerksmängel
- Massive Reifenschäden
Das Fahrzeug sollte unverzüglich repariert werden.
VU – Verkehrsunsicher
Die höchste Mängelstufe.
Das Fahrzeug darf in diesem Zustand nicht mehr am Straßenverkehr teilnehmen.
Nachprüfung: Was passiert nach dem Durchfallen?
Wurden erhebliche Mängel festgestellt, muss das Fahrzeug repariert und erneut vorgestellt werden.
Wichtig:
Die Nachprüfung muss normalerweise innerhalb eines Monats erfolgen.
Wird diese Frist überschritten, ist meist eine komplette neue Hauptuntersuchung erforderlich.
Wie viel kostet eine Nachprüfung?
Die Kosten hängen vom Umfang der Kontrolle ab.
Typischerweise liegen sie zwischen:
- 15 bis 40 Euro bei kleineren Mängeln
- Höher bei umfangreicheren Prüfungen
Die Nachprüfung ist deutlich günstiger als eine vollständige HU.
Was kostet die Hauptuntersuchung?
Die Preise unterscheiden sich je nach Fahrzeugart und Prüforganisation.
Pkw
Etwa 140 bis 170 Euro
Motorrad
Etwa 70 bis 100 Euro
Anhänger
Etwa 50 bis 100 Euro
Lkw
Je nach Gewicht und Prüfaufwand oft deutlich teurer.
So machen Sie Ihr Fahrzeug TÜV-fit
Viele Mängel lassen sich bereits vor dem Termin erkennen.
Die 10-Minuten-Checkliste
Beleuchtung prüfen
Kontrollieren Sie:
- Blinker
- Bremslicht
- Rücklicht
- Abblendlicht
- Fernlicht
Defekte Birnen gehören zu den häufigsten Beanstandungen.
Reifen kontrollieren
Achten Sie auf:
- Ausreichendes Profil
- Beschädigungen
- Richtigen Luftdruck
Warnleuchten beachten
Leuchtet eine Kontrolllampe dauerhaft?
Dann sollte die Ursache vor der HU geklärt werden.
Besonders wichtig sind:
- Motorkontrollleuchte
- ABS-Warnleuchte
- Airbag-Warnleuchte
- ESP-Warnleuchte
Scheibenwischer testen
Verschlissene Wischerblätter können die Sicht erheblich beeinträchtigen.
Flüssigkeitsstände prüfen
Kontrollieren Sie:
- Motoröl
- Kühlmittel
- Bremsflüssigkeit
- Scheibenwaschwasser
Kennzeichen reinigen
Verschmutzte oder beschädigte Kennzeichen können beanstandet werden.
Fahrzeug aufräumen
Lose Gegenstände im Innenraum erschweren teilweise die Prüfung und hinterlassen keinen guten Eindruck.
Besondere Hinweise für Motorradfahrer
Bei Motorrädern achten Prüfer besonders auf:
- Reifenalter
- Profiltiefe
- Kettensatz
- Bremsanlage
- Beleuchtung
- Auspuffanlage
Nicht eingetragene Umbauten sind ein häufiger Grund für Probleme bei der Untersuchung.
Besondere Hinweise für Lkw-Fahrer
Lkw werden deutlich intensiver geprüft.
Wichtige Prüfpunkte:
- Druckluftbremsanlage
- Rahmen
- Achsen
- Beleuchtung
- Ladeeinrichtungen
- Anhängerkupplungen
Da viele Lkw beruflich genutzt werden, gelten teilweise kürzere Prüfintervalle.
Häufige Gründe für das Nichtbestehen
Die häufigsten Beanstandungen sind:
- Defekte Beleuchtung
- Verschlissene Bremsen
- Ölverlust
- Beschädigte Reifen
- Rost an tragenden Teilen
- Ausgeschlagene Fahrwerkskomponenten
- Fehlerhafte Abgasanlagen
- Defekte Stoßdämpfer
- Beschädigte Windschutzscheiben
- Nicht funktionierende Warnsysteme
Fazit: Gute Vorbereitung spart Geld und Nerven
Die Hauptuntersuchung ist weit mehr als eine Pflichtveranstaltung. Sie sorgt dafür, dass Fahrzeuge sicher unterwegs sind und Mängel frühzeitig erkannt werden. Wer vor dem Termin Beleuchtung, Reifen, Bremsen und Warnleuchten kontrolliert, erhöht die Chancen auf eine erfolgreiche Prüfung erheblich.
Besonders bei älteren Fahrzeugen lohnt sich ein Vorab-Check in der Werkstatt. So lassen sich viele Mängel bereits im Vorfeld beseitigen und teure Nachprüfungen vermeiden. Ein gut gewartetes Fahrzeug besteht die HU oft problemlos – und sorgt gleichzeitig für mehr Sicherheit im Alltag auf zwei, vier oder mehr Rädern.