
Wer mit dem eigenen Auto, einem Mietwagen oder Wohnmobil nach Estland reist, sollte die dortigen Kraftstoffbezeichnungen, Zahlungsmöglichkeiten und Verkehrsregeln kennen. Das Tanken in Estland funktioniert grundsätzlich ähnlich wie in Deutschland. An vielen Tankstellen wird direkt an der Zapfsäule oder an einem Automaten mit Karte bezahlt.
Das Tankstellennetz ist in Tallinn, Tartu, Pärnu und entlang der wichtigen Fernstraßen gut ausgebaut. In dünn besiedelten Regionen, auf kleineren Inseln und in abgelegenen Naturgebieten können die Abstände zwischen den Tankstellen jedoch größer sein. Deshalb empfiehlt es sich, den Tank nicht vollständig leerzufahren.
Estland ist das nördlichste der drei baltischen Länder. Es grenzt an Lettland und Russland und besitzt eine lange Ostseeküste sowie zahlreiche Inseln. Gerade außerhalb der Städte lässt sich das Land besonders flexibel mit dem Auto erkunden.
Tanken in Estland auf einen Blick
| Merkmal | Information |
|---|---|
| Währung | Euro |
| Benzin mit 95 Oktan | 95 oder Bensiin 95 |
| Benzin mit 98 Oktan | 98 oder Bensiin 98 |
| Diesel | Diislikütus oder Diesel |
| Autogas | LPG |
| Erdgas | CNG |
| Bezahlung | Kreditkarte, Debitkarte, kontaktlos und teilweise Bargeld |
| Pkw-Maut | Keine allgemeine Maut oder Vignette |
| Alkoholgrenze | 0,2 Promille |
| Lichtpflicht | Ganzjährig auch am Tag |
| Notruf | 112 |
Wie heißt eine Tankstelle auf Estnisch?
Das estnische Wort für Tankstelle lautet tankla. Auf Wegweisern, Karten und Navigationsgeräten kann außerdem die Bezeichnung bensiinijaam vorkommen.
Nützliche estnische Begriffe an einer Tankstelle sind:
| Estnischer Begriff | Deutsche Bedeutung |
|---|---|
| Tankla | Tankstelle |
| Bensiin | Benzin |
| Diislikütus | Dieselkraftstoff |
| Kütus | Kraftstoff |
| Tankur | Zapfsäule beziehungsweise Zapfpistole |
| Täis paak | Voller Tank |
| Kaart | Karte |
| Sularaha | Bargeld |
| Kviitung | Beleg beziehungsweise Quittung |
| Maksmine | Bezahlung |
Welche Kraftstoffsorten gibt es in Estland?

An estnischen Tankstellen werden im Wesentlichen dieselben Kraftstoffarten angeboten wie in Deutschland. Die wichtigsten Sorten sind:
- 95 oder Bensiin 95: Benzin mit 95 Oktan
- 98 oder Bensiin 98: Benzin mit 98 Oktan
- Diesel oder Diislikütus: Dieselkraftstoff
- LPG: Autogas
- CNG: komprimiertes Erdgas
- AdBlue: Harnstofflösung für Dieselfahrzeuge mit SCR-System
Zusätzlich sind die europaweit einheitlichen Kraftstoffkennzeichnungen an Zapfsäulen und Zapfpistolen zu beachten. Benzin wird durch ein rundes Symbol, Diesel durch ein quadratisches Symbol und gasförmige Kraftstoffe durch ein rautenförmiges Symbol gekennzeichnet.
Was bedeutet 95 an einer estnischen Zapfsäule?
Die Zahl 95 steht für Benzin mit einer Oktanzahl von 95. Es entspricht hinsichtlich der Oktanzahl dem deutschen Superbenzin.
Entscheidend ist zusätzlich die Kennzeichnung E5 oder E10. Sie gibt an, wie hoch der mögliche Ethanolanteil des Kraftstoffs ist.
- E5: Benzin mit bis zu fünf Prozent Ethanol
- E10: Benzin mit bis zu zehn Prozent Ethanol
Wer ein älteres Fahrzeug fährt oder nicht sicher ist, ob dieses E10 verträgt, sollte die Angaben am Tankdeckel und in der Bedienungsanleitung prüfen.
Was bedeutet 98?
Benzin 98 besitzt eine Oktanzahl von 98 und entspricht weitgehend dem deutschen Super Plus. Es ist vor allem für Fahrzeuge vorgesehen, deren Hersteller Kraftstoff mit mindestens 98 Oktan verlangt oder empfiehlt.
Ein Auto, das regulär mit 95 Oktan betrieben werden darf, muss nicht automatisch mit 98 Oktan betankt werden.
Wie heißt Diesel in Estland?
Diesel heißt auf Estnisch diislikütus. An vielen Tankstellen steht zusätzlich oder ausschließlich die international verständliche Bezeichnung Diesel.
Normaler Pkw-Diesel ist üblicherweise mit dem quadratischen Symbol B7 gekennzeichnet. Dieses zeigt an, dass der Kraftstoff bis zu sieben Prozent Biodiesel enthalten kann.
Nicht nach der Farbe der Zapfpistole tanken
Die Farbe der Zapfpistole ist kein zuverlässiges Merkmal für die Kraftstoffsorte. Farben können sich je nach Tankstellenbetreiber unterscheiden.
Autofahrer sollten deshalb immer auf folgende Angaben achten:
- Kraftstoffbezeichnung,
- Oktanzahl,
- E5-, E10- oder B7-Symbol,
- Hinweis am Tankdeckel,
- Angaben in der Bedienungsanleitung.
Die alte Aussage, bleifreies Benzin sei grundsätzlich grün, Diesel schwarz und verbleites Benzin rot markiert, ist nicht mehr als allgemeine Regel geeignet. Verbleites Benzin wird an normalen europäischen Tankstellen ohnehin nicht regulär angeboten.
Autogas und Erdgas in Estland
Autogas wird in Estland als LPG angeboten. Das Netz ist kleiner als bei Benzin und Diesel, an größeren Tankstellen und entlang wichtiger Verkehrsverbindungen ist LPG jedoch verfügbar.
Fahrer eines Autogasfahrzeugs sollten vor längeren Fahrten prüfen:
- wo sich geeignete LPG-Tankstellen befinden,
- welcher Tankadapter benötigt wird,
- ob die Tankstelle rund um die Uhr geöffnet ist,
- ob am Automaten ausländische Karten akzeptiert werden.
CNG-Tankstellen sind deutlich seltener. Wer mit einem Erdgasfahrzeug reist, sollte die Tankstopps deshalb vorab planen.
Welcher LPG-Adapter wird in Estland benötigt?
In Estland kann je nach Tankstelle ein Dish-Adapter verwendet werden. Da die Anschlüsse einzelner Stationen abweichen können, ist ein vollständiges europäisches LPG-Adapterset für eine Reise durch das Baltikum sinnvoll.
Vor dem Tanken ist zu prüfen, ob der Adapter sicher mit dem Tankanschluss und der Zapfpistole verbunden werden kann.
Wie funktioniert das Tanken in Estland?
Viele estnische Tankstellen arbeiten mit Selbstbedienung. Der Ablauf unterscheidet sich je nach Anbieter.
Typischer Ablauf an einer Station mit Kasse:
- Fahrzeug an der passenden Zapfsäule abstellen.
- Motor und Zündung ausschalten.
- Kraftstoffsorte kontrollieren.
- Gewünschte Menge tanken.
- Nummer der Zapfsäule merken.
- An der Kasse bezahlen.
An Automatentankstellen kann die Zahlung bereits vor dem Tankvorgang erforderlich sein.
Bezahlen an einer Automatentankstelle
Estland ist stark digitalisiert. Deshalb sind unbesetzte und automatisierte Tankstellen weit verbreitet.
Der Ablauf kann folgendermaßen aussehen:
- Sprache auswählen.
- Zapfsäule bestimmen.
- Kraftstoff auswählen.
- Bankkarte einführen oder kontaktlos vorhalten.
- PIN eingeben.
- Höchstbetrag auswählen oder Zahlung autorisieren.
- Fahrzeug betanken.
- Beleg ausdrucken oder digital abrufen.
Am Automaten kann zunächst ein höherer Betrag auf der Karte reserviert werden. Tatsächlich abgerechnet wird normalerweise nur der getankte Betrag. Die Freigabe des reservierten Restbetrags kann abhängig von der Bank etwas dauern.
Wie kann man an estnischen Tankstellen bezahlen?
Gängige Zahlungsmittel sind:
- Visa,
- Mastercard,
- internationale Debitkarten,
- kontaktloses Bezahlen,
- Smartphone oder Smartwatch,
- teilweise Bargeld,
- Tank- und Flottenkarten.
Eine deutsche Girocard funktioniert nur, wenn sie zusätzlich ein international akzeptiertes Zahlungssystem unterstützt. Eine zweite Bankkarte ist für längere Reisen empfehlenswert.
Obwohl Kartenzahlungen weit verbreitet sind, kann etwas Bargeld als Reserve sinnvoll sein.
Probleme mit der Karte am Tankautomaten
Wird eine Karte abgelehnt, können folgende Gründe vorliegen:
- Auslandszahlungen wurden von der Bank gesperrt.
- Die PIN wurde nicht freigeschaltet oder vergessen.
- Das Kartenlimit ist zu niedrig.
- Der verfügbare Betrag reicht für die Vorautorisierung nicht aus.
- Das Kartensystem wird vom Automaten nicht unterstützt.
- Die Bank stuft die Zahlung als ungewöhnlich ein.
In diesem Fall kann eine andere Karte, die Bezahlung an einer besetzten Kasse oder ein Anruf bei der Bank helfen.
Öffnungszeiten der Tankstellen
Viele große estnische Tankstellen sind rund um die Uhr geöffnet. Das gilt besonders für Stationen in Tallinn, Tartu, Pärnu und an wichtigen Fernstraßen.
Kleinere Stationen können nachts unbesetzt sein. Häufig lässt sich dann weiterhin am Automaten tanken.
In abgelegenen Regionen und auf kleineren Inseln sollte man sich nicht darauf verlassen, jederzeit eine geöffnete oder funktionsfähige Tankstelle zu finden.
Tankstellennetz in Estland
Das Tankstellennetz ist entlang der wichtigsten Routen gut ausgebaut. Dazu gehören insbesondere die Verbindungen:
- Tallinn–Tartu,
- Tallinn–Narva,
- Tallinn–Pärnu,
- Tartu–Valga,
- Pärnu–Riga.
Größere Abstände können in dünn besiedelten Waldregionen, auf kleinen Nebenstraßen und auf Inseln auftreten. Wer dort unterwegs ist, sollte spätestens bei einem Viertel Tankinhalt nach einer geeigneten Station suchen.
Tanken auf Saaremaa und Hiiumaa
Auch auf den großen estnischen Inseln Saaremaa und Hiiumaa gibt es Tankstellen. In den größeren Orten und an wichtigen Straßen ist die Versorgung normalerweise ausreichend.
Außerhalb der Hauptorte können die Abstände jedoch größer sein. Vor Ausflügen in abgelegene Küstenregionen empfiehlt es sich daher, rechtzeitig zu tanken.
Für die Fahrt auf die Inseln werden in der Regel Fähren genutzt. Während der Hauptreisezeit können Reservierungen und zusätzliche Wartezeiten sinnvoll berücksichtigt werden.
Sind Kraftstoffe in Estland günstiger als in Deutschland?
Ob Benzin oder Diesel in Estland günstiger ist als in Deutschland, hängt vom aktuellen Marktpreis, den Steuern, dem Wechselkurs der Rohstoffe und der jeweiligen Tankstelle ab.
Die frühere pauschale Aussage, Kraftstoff sei grundsätzlich 10 bis 20 Prozent günstiger, ist nicht dauerhaft zuverlässig.
Preisunterschiede bestehen unter anderem zwischen:
- Stadt und ländlicher Region,
- Autobahnähnlicher Fernstraße und Nebenstraße,
- bedienter Tankstelle und Automatentankstelle,
- Markentankstelle und preisgünstigem Anbieter,
- Festland und Inseln.
Günstig tanken in Estland
Wer Kraftstoffkosten sparen möchte, kann folgende Punkte beachten:
- Preise mehrerer Tankstellen vergleichen.
- Tankstellen direkt an touristischen Hauptlagen meiden.
- Automatentankstellen berücksichtigen.
- Unnötige Umwege vermeiden.
- Reifendruck kontrollieren.
- Vorausschauend und gleichmäßig fahren.
- Unnötiges Gewicht aus dem Fahrzeug entfernen.
Ein längerer Umweg lohnt sich für einen kleinen Preisunterschied häufig nicht.
Tanken mit einem Mietwagen
Bei einem Mietwagen sollte bereits vor Fahrtantritt geprüft werden, welchen Kraftstoff das Fahrzeug benötigt. Ein entsprechender Hinweis befindet sich häufig am Tankdeckel oder am Fahrzeugschlüssel.
Zusätzlich ist die Tankregelung des Vermieters wichtig. Mögliche Varianten sind:
- voll übernehmen und voll zurückgeben,
- mit demselben Tankstand zurückgeben,
- Kraftstoff vorab bezahlen,
- fehlende Menge nachträglich zuzüglich Servicegebühr bezahlen.
Besonders transparent ist die Regelung „voll zu voll“. Nach dem letzten Tanken sollte die Quittung aufbewahrt werden.
Maut und Vignette in Estland
Für gewöhnliche Pkw und Motorräder besteht in Estland keine allgemeine Maut- oder Vignettenpflicht. Die öffentlichen Straßen können mit einem normalen Pkw grundsätzlich ohne streckenabhängige Autobahngebühr genutzt werden.
Eine Straßennutzungsgebühr besteht jedoch für schwere Lastkraftwagen mit einem zulässigen Gesamtgewicht von mehr als 3,5 Tonnen. Diese Regel betrifft auch ausländische Lastkraftwagen.
Fahrer großer gewerblich genutzter Fahrzeuge sollten deshalb vor der Einreise prüfen, ob eine estnische Straßennutzungsgebühr bezahlt werden muss.
Gibt es Autobahnen in Estland?
Estland besitzt gut ausgebaute Fernstraßen, aber kein mit Deutschland vergleichbares dichtes Autobahnnetz.
Einige Abschnitte sind mehrspurig und erlauben saisonal höhere Geschwindigkeiten. Die meisten Landstraßen bleiben jedoch zweispurig und führen durch dünn besiedelte Landschaften.
Auch auf gut ausgebauten Straßen muss mit Kreuzungen, Wildwechseln, landwirtschaftlichen Fahrzeugen und wechselnden Wetterbedingungen gerechnet werden.
Verkehrsregeln in Estland

Ein deutscher beziehungsweise europäischer Führerschein wird in Estland anerkannt. Autofahrer sollten außerdem die Zulassungsbescheinigung und einen Versicherungsnachweis mitführen.
Wichtige Regeln sind:
- Rechtsverkehr,
- ganzjährige Lichtpflicht,
- Gurtpflicht auf allen Sitzplätzen,
- Verbot der Handynutzung ohne Freisprecheinrichtung,
- sehr niedrige Alkoholgrenze,
- Winterreifenpflicht in der kalten Jahreszeit,
- Helmpflicht für Motorradfahrer.
Welche Alkoholgrenze gilt?
In Estland gilt eine sehr strenge Alkoholgrenze. Der zulässige Blutalkoholwert liegt bei 0,2 Promille.
Damit liegt die Grenze deutlich unter der in Deutschland grundsätzlich geltenden Grenze von 0,5 Promille. Bereits geringe Mengen Alkohol können deshalb zu einer Überschreitung führen.
Die sicherste Regel lautet: Wer fährt, sollte vollständig auf Alkohol verzichten.
Lichtpflicht auch am Tag
In Estland müssen Fahrzeuge grundsätzlich auch tagsüber mit Licht fahren. Verwendet werden können je nach Fahrzeug und Situation:
- Tagfahrlicht,
- Abblendlicht.
Bei Dunkelheit, schlechter Sicht, starkem Regen, Schnee oder Nebel ist das geeignete Abblendlicht einzuschalten. Das automatische Tagfahrlicht aktiviert bei manchen Fahrzeugen die Rückleuchten nicht. Deshalb sollte die Beleuchtung bei schlechter Sicht manuell kontrolliert werden.
Besonderheit der estnischen Ampelschaltung
Vor dem Wechsel von Grün auf Gelb kann das grüne Licht blinken. Das blinkende Grün warnt davor, dass die Ampel gleich auf Gelb wechselt.
Gelb bedeutet grundsätzlich, dass angehalten werden muss. Nur wenn ein sicheres Anhalten vor der Haltelinie nicht mehr möglich ist, darf weitergefahren werden.
Das blinkende Grün sollte daher nicht als Aufforderung verstanden werden, noch schnell zu beschleunigen.
Handy am Steuer
Das Benutzen eines Mobiltelefons ohne Freisprecheinrichtung ist während der Fahrt verboten.
Auch das Schreiben von Nachrichten, Bedienen sozialer Netzwerke oder längere Eingeben eines Navigationsziels lenkt stark ab. Die Route sollte vor Fahrtbeginn eingestellt werden.
Muss das Telefon bedient werden, sollte das Fahrzeug an einer sicheren und erlaubten Stelle angehalten werden.
Gurtpflicht und Kindersitze
Sicherheitsgurte müssen auf allen mit Gurten ausgestatteten Sitzplätzen benutzt werden. Für Kinder ist ein geeignetes Rückhaltesystem erforderlich.
Der Kindersitz muss:
- zur Größe und zum Gewicht des Kindes passen,
- ordnungsgemäß befestigt sein,
- den europäischen Sicherheitsanforderungen entsprechen,
- entsprechend der Herstelleranleitung verwendet werden.
Bei einem rückwärtsgerichteten Kindersitz auf dem Beifahrersitz muss der Frontairbag deaktiviert werden.
Tempolimits in Estland
Für normale Pkw gelten grundsätzlich folgende Höchstgeschwindigkeiten, sofern keine andere Beschilderung vorhanden ist:
| Straßenart | Höchstgeschwindigkeit |
|---|---|
| Innerhalb geschlossener Ortschaften | 50 km/h |
| Außerhalb geschlossener Ortschaften | 90 km/h |
| Ausgewählte, entsprechend beschilderte Straßenabschnitte | 100 oder 110 km/h |
Höhere Geschwindigkeiten von 100 oder 110 km/h gelten nur dort, wo sie ausdrücklich ausgeschildert sind. Sie werden insbesondere auf geeigneten mehrspurigen Abschnitten und abhängig von Jahreszeit und Straßenzustand angeordnet.
Im Winter werden höhere Tempolimits häufig reduziert oder aufgehoben.
Geschwindigkeit an Wetter und Straße anpassen
Die zulässige Höchstgeschwindigkeit ist kein vorgeschriebenes Mindesttempo. Besonders bei Schnee, Eis, Nebel, Starkregen oder Wildwechsel muss deutlich langsamer gefahren werden.
In Estland können sich die Straßenverhältnisse im Winter schnell ändern. Auch geräumte Straßen bieten nicht automatisch dieselben Bedingungen wie im Sommer.
Vorsicht ist besonders geboten:
- auf Brücken,
- in Waldgebieten,
- auf schattigen Straßenabschnitten,
- bei überfrierender Nässe,
- bei starkem Seitenwind,
- in der Nähe von Wildwechseln.
Geschwindigkeitskontrollen
In Estland gibt es stationäre und mobile Geschwindigkeitskontrollen. Auch automatische Kameras werden eingesetzt.
Bußgelder aus anderen EU-Staaten können grenzüberschreitend verfolgt werden. Ein Bescheid sollte daher nicht allein deshalb ignoriert werden, weil die Reise bereits beendet ist.
Winterreifenpflicht in Estland
Winterreifen sind grundsätzlich vom 1. Dezember bis zum 1. März vorgeschrieben. Abhängig von Wetter und Straßenverhältnissen kann ihre Nutzung auch außerhalb dieses Mindestzeitraums notwendig oder sinnvoll sein.
Für moderne Winterreifen ohne Spikes ist das Alpine-Symbol mit Berg und Schneeflocke, auch 3PMSF genannt, maßgeblich.
Die Profiltiefe von Winterreifen sollte mindestens drei Millimeter betragen. Für eine sichere Winterreise ist ein deutlich tieferes Profil empfehlenswert.
Wann sind Spikereifen erlaubt?
Spikereifen dürfen normalerweise vom 15. Oktober bis zum 31. März verwendet werden.
Bei winterlichen Straßen- und Wetterbedingungen kann ihre Nutzung ausnahmsweise bereits ab dem 1. Oktober beziehungsweise bis zum 30. April zulässig sein.
Bei einer Fahrt durch andere Länder ist zu beachten, dass Spikereifen dort möglicherweise verboten sind. Die gesamte Reiseroute muss deshalb berücksichtigt werden.
Autofahren im estnischen Winter
Der Winter in Estland kann lang, dunkel und sehr kalt sein. Schnee, Eis und überfrierende Nässe gehören zu den typischen Risiken.
Zur sinnvollen Winterausrüstung gehören:
- geeignete Winterreifen,
- Eiskratzer,
- Schneebesen,
- Frostschutzmittel,
- warme Kleidung und Decke,
- Taschenlampe,
- geladenes Mobiltelefon,
- Starthilfekabel oder Startbooster,
- ausreichend Kraftstoff.
Bei längeren Fahrten durch dünn besiedelte Regionen sollte der Tank möglichst nicht weit geleert werden. Bei einer Panne kann Kraftstoff zum Heizen und für die Stromversorgung wichtig sein. Der Motor darf jedoch nur betrieben werden, wenn die Abgasanlage frei ist und keine Gefahr durch Abgase besteht.
Eisstraßen in Estland
In besonders kalten Wintern können in Estland offizielle Straßen über zugefrorene Wasserflächen eingerichtet werden. Diese sogenannten Eisstraßen verbinden zeitweise Inseln und Küstengebiete.
Sie dürfen nur benutzt werden, wenn sie offiziell geöffnet und freigegeben sind.
Auf Eisstraßen gelten besondere Regeln, beispielsweise zu:
- zulässigem Fahrzeuggewicht,
- Fahrzeugabstand,
- Geschwindigkeit,
- Anhalten und Überholen,
- Sicherheitsgurten,
- Öffnungszeiten.
Niemals sollte eigenmächtig auf eine zugefrorene Wasserfläche gefahren werden.
Wildwechsel und Tiere auf der Fahrbahn
Estland ist dünn besiedelt und besitzt große Waldgebiete. Deshalb muss besonders in der Dämmerung und nachts mit Wildwechsel gerechnet werden.
Zu den möglichen Tieren gehören:
- Rehe,
- Elche,
- Wildschweine,
- Füchse,
- kleinere Wildtiere.
Bei einem großen Tier auf der Fahrbahn sollte stark, aber kontrolliert gebremst werden. Riskante Ausweichmanöver können zu schweren Unfällen führen.
Nach einem Wildunfall sollte die Unfallstelle gesichert und die Polizei beziehungsweise der Notruf informiert werden. Verletzte Wildtiere dürfen nicht eigenmächtig mitgenommen werden.
Parken in Tallinn und anderen Städten
In Tallinn, Tartu und Pärnu gibt es gebührenpflichtige Parkzonen. Die Regeln unterscheiden sich je nach Stadt und Zone.
Bezahlt werden kann unter anderem:
- am Parkautomaten,
- über eine Park-App,
- per Mobiltelefon,
- in Parkhäusern.
Bei ausländischen Mobiltelefonen oder Mietwagen kann nicht jede SMS-Parklösung problemlos funktionieren. Parkautomaten und Apps sind daher oft die sicherere Wahl.
Die Beschilderung sollte genau gelesen werden. Manche Bereiche sind Bewohnern, Lieferverkehr oder Fahrzeugen mit besonderer Genehmigung vorbehalten.
Mit dem Auto in Tallinn
Die historische Altstadt von Tallinn lässt sich am besten zu Fuß erkunden. Parkplätze sind dort begrenzt und häufig kostenpflichtig.
Für einen Stadtbesuch eignen sich:
- Parkhäuser außerhalb der Altstadt,
- Hotels mit eigenem Parkplatz,
- Park-and-Ride-Angebote,
- öffentliche Verkehrsmittel.
Wertsachen sollten nicht offen sichtbar im Fahrzeug liegen. Das gilt besonders auf touristisch stark besuchten Parkplätzen.
Welche Dokumente sollte man mitführen?
Bei einer Fahrt nach Estland sollten folgende Dokumente mitgeführt werden:
- gültiger Personalausweis oder Reisepass,
- gültiger Führerschein,
- Zulassungsbescheinigung Teil I,
- Nachweis der Kfz-Haftpflichtversicherung,
- Unterlagen des Mietwagens, falls zutreffend,
- Vollmacht bei einem fremden Fahrzeug.
Die Internationale Versicherungskarte ist innerhalb der Europäischen Union normalerweise nicht zwingend erforderlich. Sie kann bei einer Kontrolle oder einem Unfall jedoch die Verständigung und den Versicherungsnachweis erleichtern.
Verkehrsunfall in Estland
Bei einem Unfall sollte zuerst die Unfallstelle gesichert werden. Danach gilt:
- Warnblinkanlage einschalten.
- Warnweste anlegen.
- Fahrzeug nur verlassen, wenn dies sicher möglich ist.
- Verletzten Erste Hilfe leisten.
- Bei Verletzten oder Gefahren die 112 anrufen.
Die Polizei sollte insbesondere verständigt werden, wenn:
- Personen verletzt wurden,
- größerer Schaden entstanden ist,
- die Unfallstelle gefährlich ist,
- die Beteiligten sich nicht einigen können,
- Alkohol oder Drogen vermutet werden,
- ein Beteiligter keine Dokumente vorlegen kann,
- ein Fahrzeug flüchtet.
Bei einem reinen Sachschaden sollten alle Angaben schriftlich dokumentiert und Fotos der Unfallstelle angefertigt werden.
Notruf in Estland
Die einheitliche Notrufnummer lautet:
112
Über die 112 erreicht man:
- Polizei,
- Feuerwehr,
- Rettungsdienst.
Die Nummer ist kostenlos. Die früher teilweise genannte Polizeinummer 110 ist nicht mehr die allgemeine Notrufnummer und sollte nicht anstelle der 112 verwendet werden.
Reiseziele mit dem Auto
Estland ist vergleichsweise kompakt. Viele Reiseziele lassen sich innerhalb weniger Stunden erreichen.
Tallinn
Die Hauptstadt ist vor allem für ihre gut erhaltene mittelalterliche Altstadt bekannt. Sehenswürdigkeiten sind unter anderem der Rathausplatz, der Domberg, historische Stadtmauern und zahlreiche Aussichtspunkte.
Tartu
Tartu gilt als bedeutende Universitäts- und Kulturstadt. Sie eignet sich als Ausgangspunkt für Fahrten durch Südestland.
Pärnu
Pärnu ist ein beliebter Bade- und Kurort an der Ostsee. Im Sommer kann das Verkehrs- und Parkplatzaufkommen deutlich steigen.
Saaremaa
Die größte estnische Insel bietet Küstenlandschaften, kleine Orte, Windmühlen und die Stadt Kuressaare.
Hiiumaa
Hiiumaa ist ruhiger und dünner besiedelt. Besonders bekannt sind die Natur, Leuchttürme und abgelegenen Küstenabschnitte.
Lahemaa-Nationalpark
Der Lahemaa-Nationalpark liegt östlich von Tallinn. Er bietet Wälder, Moore, Küstenlandschaften, Herrenhäuser und kleine Fischerdörfer.
Otepää
Otepää ist für seine Hügellandschaft und den Wintersport bekannt. Im Winter sind gute Reifen und eine an das Wetter angepasste Fahrweise besonders wichtig.
Anreise mit dem Auto nach Estland
Von Deutschland führt die klassische Landroute über:
- Polen,
- Litauen,
- Lettland,
- Estland.
Diese Route verläuft größtenteils über die wichtige Fernverbindung Via Baltica.
Alternativ ist eine Anreise über Schweden oder Finnland mit einer Fähre möglich. Direkte und indirekte Fährverbindungen bestehen unter anderem über Helsinki, Stockholm oder andere Ostseehäfen.
Die frühere pauschale Empfehlung, aus Norddeutschland grundsätzlich über Dänemark und Stockholm zu fahren, ist nicht für jede Reise die schnellste oder günstigste Variante. Die beste Route hängt vom Startort, den Fährpreisen, Reisezeiten und persönlichen Zwischenzielen ab.
Autofahren auf der Via Baltica
Die Via Baltica ist die wichtigste Straßenverbindung durch Polen, Litauen, Lettland und Estland.
Autofahrer sollten berücksichtigen:
- lange Fahrstrecken,
- unterschiedliche Verkehrsregeln,
- teilweise einspurige Fernstraßen,
- Lastwagenverkehr,
- Baustellen,
- Wildwechsel,
- notwendige Pausen und Übernachtungen.
Die Gesamtstrecke sollte nicht unterschätzt werden. Eine Aufteilung auf mehrere Reisetage erhöht Sicherheit und Komfort.
Reisetipps für Estland

- Die Amtssprache ist Estnisch. In touristischen Bereichen wird häufig Englisch gesprochen.
- In Teilen des Landes ist auch Russisch verbreitet.
- Die Kartenzahlung ist sehr weit verbreitet.
- In ländlichen Regionen sollte frühzeitig getankt werden.
- Wertsachen sollten nicht sichtbar im Auto liegen.
- Wetter und Straßenbedingungen können sich im Winter schnell ändern.
- Bei Fahrten auf Inseln Fährzeiten und Reservierungen beachten.
- Vor längeren Naturausflügen Offline-Karten herunterladen.
- Das Mobiltelefon vor längeren Fahrten vollständig laden.
- Bei Wildwechsel besonders in der Dämmerung langsam fahren.
Internet und Mobilfunk
Estland verfügt über eine gut ausgebaute digitale Infrastruktur. WLAN wird in vielen Hotels, Restaurants und öffentlichen Einrichtungen angeboten.
Innerhalb der Europäischen Union kann ein deutscher Mobilfunktarif grundsätzlich zu den üblichen EU-Roaming-Bedingungen genutzt werden. Einschränkungen können sich aus dem persönlichen Tarif und einer Fair-Use-Regelung ergeben.
Für Fahrten in abgelegene Regionen ist es sinnvoll, Kartenmaterial vorher herunterzuladen. Auch bei gutem Mobilfunknetz kann es in Wald- und Küstengebieten zu Lücken kommen.
Häufige Fragen zum Tanken in Estland
Wie heißt Benzin in Estland?
Benzin heißt auf Estnisch bensiin. An den Zapfsäulen stehen häufig einfach die Zahlen 95 oder 98.
Wie heißt Super in Estland?
Benzin mit 95 Oktan wird als 95 oder Bensiin 95 bezeichnet. Zusätzlich sollte auf das Symbol E5 oder E10 geachtet werden.
Wie heißt Super Plus?
Benzin mit 98 Oktan wird als 98 oder Bensiin 98 angeboten.
Wie heißt Diesel?
Diesel heißt auf Estnisch diislikütus. Häufig wird direkt die Bezeichnung Diesel verwendet.
Kann man in Estland E10 tanken?
Ja, E10 wird angeboten. Vor dem Tanken sollte geprüft werden, ob das eigene Fahrzeug für E10 freigegeben ist.
Kann man mit einer deutschen Bankkarte bezahlen?
Internationale Kredit- und Debitkarten werden weitgehend akzeptiert. Eine reine Girocard ohne internationales Zahlungssystem funktioniert möglicherweise nicht.
Muss man vor dem Tanken bezahlen?
An vielen Automatentankstellen wird die Karte vor dem Tankvorgang autorisiert. An Stationen mit Kasse kann häufig erst getankt und danach bezahlt werden.
Gibt es in Estland eine Pkw-Maut?
Für normale Pkw besteht keine allgemeine Maut- oder Vignettenpflicht. Eine Straßennutzungsgebühr gilt für schwere Lastkraftwagen über 3,5 Tonnen.
Wie hoch ist die Promillegrenze?
Der zulässige Blutalkoholwert liegt bei 0,2 Promille. Wegen der sehr niedrigen Grenze sollten Fahrer vollständig auf Alkohol verzichten.
Muss man am Tag mit Licht fahren?
Ja. In Estland besteht ganzjährig auch tagsüber Lichtpflicht.
Welche Höchstgeschwindigkeit gilt außerorts?
Grundsätzlich gelten außerorts 90 km/h. Auf ausgewählten und entsprechend beschilderten Abschnitten können saisonal 100 oder 110 km/h erlaubt sein.
Wann sind Winterreifen Pflicht?
Winterreifen sind grundsätzlich vom 1. Dezember bis zum 1. März vorgeschrieben. Je nach Witterung kann eine wintertaugliche Bereifung auch früher oder länger notwendig sein.
Sind Spikereifen erlaubt?
Ja. Sie dürfen normalerweise vom 15. Oktober bis zum 31. März genutzt werden. Bei winterlichen Verhältnissen kann der Zeitraum erweitert werden.
Welche Notrufnummer gilt?
Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst erreicht man über die europaweit gültige Nummer 112.
Kann man in Estland gut mit dem Auto reisen?
Ja. Das Straßennetz verbindet die größeren Städte und Regionen gut miteinander. In dünn besiedelten Gebieten sollte jedoch frühzeitig getankt und im Winter besonders vorsichtig gefahren werden.
Fazit
Das Tanken in Estland ist für deutsche Autofahrer grundsätzlich unkompliziert. Benzin wird als Bensiin beziehungsweise mit den Zahlen 95 oder 98 angeboten. Diesel heißt Diislikütus oder einfach Diesel.
Besonders verbreitet sind Kartenzahlungen und Automatentankstellen. Deshalb sollte eine international einsetzbare Kredit- oder Debitkarte mit PIN mitgeführt werden. In abgelegenen Regionen und auf Inseln ist es ratsam, den Tank nicht zu weit leerzufahren.
Für Pkw besteht keine allgemeine Mautpflicht. Autofahrer müssen jedoch die strenge Alkoholgrenze von 0,2 Promille, die ganzjährige Lichtpflicht und die Winterreifenregeln beachten. Innerorts gelten normalerweise 50 km/h und außerorts 90 km/h. Höhere Geschwindigkeiten sind nur auf entsprechend beschilderten Abschnitten erlaubt.
Mit guter Vorbereitung eignet sich Estland hervorragend für eine Autoreise. Tallinn, Tartu, Pärnu, die Inseln Saaremaa und Hiiumaa sowie die zahlreichen Nationalparks lassen sich mit dem eigenen Fahrzeug besonders flexibel erkunden.
0 Kommentare
Hast du einen Hinweis oder eine Erfahrung? Teile sie mit anderen.